Portrait des Monats

Hier werden bedeutende Frauen aus Politik, Kultur und anderen Lebensbereichen vorgestellt.

Malala Yousafzai – ein Vorbild (nicht nur) für Millionen Mädchen

Malala Yousafzai – ein Vorbild (nicht nur) für Millionen Mädchen

Malala Yousafzai, die diesjährige pakistanische Aktivistin für Mädchenbildung und Kinderrechte, ist die jüngste Friedensnobelpreisträgerin aller Zeiten. Mit ihrem unerschrockenen Kampf für das Recht eines jeden Mädchens auf Zugang zu Bildung hat sie sich in ihrem Heimatland Pakistan viel Bewunderung erworben, aber auch Hass ausgesetzt. Einen lebensgefährlichen Anschlag der Taliban überlebte sie knapp, seitdem lebt sie in Großbritannien und setzt ihren Kampf dafür, dass die Stimme der Mädchen und Kinder in der Welt gehört wird, unerschrocken fort.

Der Deutsche Frauenrat und zahlreiche Frauenorganisationen auf der ganzen Welt gratulieren!

Der Brief im Wortlaut:

»Sehr geehrte Malala Yousafzai,

der Deutsche Frauenrat, die größte frauenpolitische Lobby in Deutschland, gratuliert Ihnen sehr herzlich zum Friedensnobelpreis. Wir haben uns über die Entscheidung des Preiskomitees sehr gefreut. In ihr liegt politischer Weitblick und Ermutigung für jede und jeden Einzelnen, sich unbeirrt für die eigenen Rechte und die der anderen einzusetzen. Besonders in Zeiten, in denen politische Institutionen sich oft als zu schwach zeigen bei der Verteidigung ihrer Schutzbefohlenen, zählt das gesellschaftspolitische Engagement des Individuums umso mehr.

You can make a difference. Das haben Sie bereits in sehr jungem Alter bewiesen. Mit Ihrem Mut und Ihrer Überzeugungskraft sind Sie heute nicht nur für Millionen Mädchen weltweit ein großes Vorbild. Die Rechte von Mädchen auf Bildung und ein Leben ohne Gewalt und Ausbeutung stehen im Forderungskatalog der Pekinger Aktionsplattform aus dem Jahr 1995. Wenn wir diese Agenda heute, zwanzig Jahre später, einer Revision unterziehen, müssen wir feststellen: Wir sind von diesem Ziel immer noch sehr weit entfernt.

Der Kampf für die Rechte von Mädchen hat durch Sie ein ganz persönliches Gesicht bekommen – und hoffentlich nachhaltigen Auftrieb.«

Eine Autobiografie ist gerade erschienen:

Ich bin Malala.
Das Mädchen, das die Taliban erschießen wollten, weil es für das Recht auf Bildung kämpft.
München 2013
Hardcover, 08.10.2013, 400 S.
19,99 €
ISBN: 978-3-426-27629-7

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Ellen Widmaier: Spatzenkirschen

Ellen Widmaier: Spatzenkirschen

Nicht nur im Saarland wurde Ellen Widmaier besonders durch ihr bisheriges Opus Magnum, den Grenzland-Roman „Spatzenkirschen“ (Gollenstein Verlag, 2004) bekannt. Es handelt sich um die literarisch-historische Aufarbeitung eines im Kleinbli-/Großbliederstroffer Grenzraum angesiedelten Spionagefalls während der Nazizeit und dessen Auswirkungen bis in die Gegenwart.

Widmaier verarbeitet die jahrzehntelange akribische Recherche nach ihrer Familiengeschichte und deren schockierende Ergebnisse gekonnt zu einer Art historisch-literarischem Collage-Roman. Im Mittelpunkt steht die Widerstandskämpferin Marie (Kneup-Krémer), die ihr Engagement in der französischen Spionageabwehr gegen Hitler-Deutschland mit dem Leben bezahlte, sowie ihr Ehemann, ein deutscher Nazigegner, der gebrochen und krank aus dem Zuchthaus ins Saarland zurückkehrte und dem im Nachkriegsdeutschland eine angemessene Wiedergutmachung verwehrt wurde.

Der Historiker Wilfried Busemann bewertet „Spatzenkirschen“ als Roman über die Wiedergewinnung der Erinnerung und zugleich als Reflexion über deren Verweigerung. Vor allem aber ist er ein spannender und zutiefst bewegender „Heimatroman“ im besten Sinne.

Mehr auf der Website der Autorin: www.ellen-widmaier.de

 

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We proudly present: Ellen Widmaier

We proudly present: Ellen Widmaier

Die frauenfreie Jury des Gustav-Regler-Preises vergibt seit 1999 alle drei Jahre den mit 5.000 € dotierten Gustav-Regler-Preis, einen der zwei literarischen Hauptpreise des Saarlandes, in schöner Regelmäßigkeit nur an Männer (die jungen Förderpreisträger dürfen auch schon mal weiblichen Geschlechts sein).

Der Vorschlag der FrauenGenderBibliothek Saar – Ellen Widmaier – unterstützt von vielen gesellschaftlichen und literarischen Gruppierungen und Verbänden im Saarland und darüber hinaus, fand keine Berücksichtigung. Es wäre die Chance gewesen, zum ersten Mal eine Autorin, deren literarisch anspruchsvolles und vielseitiges Gesamtwerk sowohl thematische Nähe zu Gustav Regler als auch einen starken Bezug auf saarländische Geschichte aufweist, zu ehren. Vertan!

Deshalb stellen wir nun in lockerer Folge Aspekte des Werks von Ellen Widmaier vor. Heute:

Du

Jemand hat Du gesagt
in der Dürre der Nacht

der ferne Regen war`s

die Katze lauscht
dem Wachsen des Korns
hinter den Bergen

(Ellen Widmaier: dort wo wir lagen. roterfadenlyrik, Ed. Haus Nottbeck 2011)

 

Weitere Informationen zu Vita und Werk von Ellen Widmaier auf: www.ellen-widmaier.de

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Portrait: Eva Rühmkorf

Portrait: Eva Rühmkorf

Diplompsychologin, Politikerin, linke Sozialdemokratin, Pazifistin und Feministin

(*6.03.1935 in Breslau; †21.01.2013 in Ratzeburg) ||

Den Weg des geringsten Widerstandes beschritt sie selten und auch Schwarz-Weiß-Denken wies sie weit von sich. Die Rede ist von Diplompsychologin und Politikerin Eva Rühmkorf, die im Januar dieses Jahres im Alter von 77 Jahren nach langer, schwerer Krankheit in Hamburg verstarb.

Schillernd war ihre Biografie, facettenreich ihr Lebenswerk. Sie bezeichnete sich selbst als linke Sozialdemokratin, Pazifistin und Feministin. Sie zählte Ulrike Meinhof zu ihren Freunden und heiratete 1964 den renommierten Lyriker Peter Rühmkorf.

Beruflich avancierte sie, die anfänglich Direktorin einer Jugendstrafanstalt in Hamburg war, zur Pionierin in Sachen Frauen- und Gleichstellungsthemen. 1979 bekleidete Eva Rühmkorf das Amt der Leiterin der bundesweit ersten Gleichstellungsstelle in Hamburg. Von diesem Moment an war der Grundstein für eine langjährige politische Tätigkeit gelegt. 1983 wurde sie zur Staatsrätin im Hamburger Senat ernannt und stand ihre Frau in einer bis dato klar männerdominierten Domäne. 1988 wurde sie Ministerin für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur in der Landesregierung von Schleswig-Holstein unter Ministerpräsident Björn Engholm. Zwei Jahre später wurde sie stellvertretende Ministerpräsidentin, bis sie 1992 aus der Landesregierung ausschied.

Gerade in puncto Gleichberechtigung und Gleichstellung von Frauen und Männern gelang ihr Herausragendes. So kämpfte sie unentwegt für eine geschlechtergerechte Entlohnung und für geschlechtsneutrale Stellenausschreibungen. Den Hamburger Frauenhäusern verschaffte sie eine solide Finanzausstattung, setzte sich für ein eigenständiges Bleiberecht für Migrantinnen ein und war Mitstreiterin im Kampf für die Ratifizierung des Gesetzes gegen Vergewaltigung in der Ehe.

Generell gelang es ihr, entscheidende Anliegen der Frauenbewegung nachhaltig in der öffentlichen Verwaltung zu implementieren. Nach ihrem Ausscheiden aus der Politik engagierte sich Eva Rühmkorf im Vorstand von Pro Familia, wo sie an die Grundsätze ihrer früheren Frauenpolitik anknüpfen konnte und insbesondere die Bereiche Paar-, Partnerschaft- und Sexualberatung sowie Sexualpädagogik reformierte. Ein starkes Vorbild fand Eva Rühmkorf in ihrer eigenen Großmutter. Als Vorkämpferin für die Abschaffung des Korsetts und die Einführung der Reformkleidung hatte diese um die Jahrhundertwende im Badeanzug auf der Straße demonstriert.

(Aline Maldener)

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